HR Nord bleibt Hochschule

Vor einem Jahr ging das Justizministerium mit Eckpunkten zur Umstrukturierung der Norddeutsche Hochschule für Rechtspflege (HR-Nord) in eine Justizakademie an die Öffentlichkeit. An der HR-Nord studieren zukünftige Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger aus Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein.

Anlass waren im Vergleich zu früheren Jahren hohe Abbrecher- und Durchfallquoten Das Papier benannte in erster Linie Selbstverwaltungsstrukturen nach dem Niedersächsischen Hochschulgesetz (NHG) als Ursache der Probleme und zeigte sich überzeugt, dem mit einer Umwandlung in eine Akademie begegnen zu können.

Auf den massiven Widerstand, der dem MJ aus dem gesamten Geschäftsbereich, den beteiligten Bundesländern und der Hochschule selbst, dem Studierendenparlament, Personalvertretungen und den Verbänden entgegenschlug, war man nicht gefasst. Dennoch lud das Ministerium recht schnell zu einer Besprechung ein, um Kritik am gegenwärtigen Studium zusammenzutragen und in Arbeitsgruppen, getrennt nach den Sachgebieten Verwaltung und Lehre, Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Ziel war auszuloten, ob es gelingen kann, auch ohne Strukturveränderungen das Studium zu verbessern.

Im Verlaufe eines halben Jahres fanden dazu insgesamt acht Sitzungen statt, an denen neben Bianca Korbanek als HPR-Mitglied Thomas und Bettina Kratzberg sowie vertretungshalber David Fränzke für die DJG Fachbereich Rechtspfleger teilgenommen haben. Das Ergebnis wurde am 08.12.2025 vorgestellt und in nachstehenden „Big Points“ zusammengefasst:

  • Vorstellung der Lehrtätigkeit durch Flyer + Link zur HR-Nord-Webseite
  • Anpassung Auswahlverfahren+ regelmäßiger Erfahrungsaustausch zu den Anforderungen an Bewerbende
  • Ggf. Gewinnung von Rechtspflegern/innen für eine Professur durch Definition der Anforderungen gem. §25 NHG (Berufungsvoraussetzungen)
  • Lehrkräftegewinnung und Verbesserung der Unterrichtsqualität durch Didaktik-Schulungen
  • Steigerung des Bekanntheitsgrads des Studiums durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit
  • Hilfestellung für Studierende durch Ausweitung des Programms „Study smart“ (geeignete Studierende erhalten unterstützende Lehraufträge für jüngere Semester und dafür idealerweise eine Vergütung)
  • Verbesserung der Skills im Umgang mit juristischen Texten durch einen Zusatzkurs „Gutachtenstil“ an der HR-Nord
  • Chancengleichheit durch zentrale Bereitstellung von Unterrichtsmaterial und Grundfallsammlungen (Ilias)
  • Verbesserung der Unterrichtsqualität durch kollegiale Intervision und Evaluation neuer Lehrkräfte
  • „Controlling“ durch standardisierte Befragung nach dem Grundstudium
  • Unterstützung der Studierenden durch Online-Fragestunden mit Impuls-Vortrag in der BPS I

Einhellige Auffassung der Teilnehmenden war, dass die Umsetzung dieser Punkte eine substanzielle Verbesserung des Studiums und Verringerung der Durchfallquote erwarten lasse und die angedachte Umstrukturierung nicht notwendig sei. Einig war man sich allerdings auch, dass ein solcher Austausch schon früher geboten gewesen wäre und in etwa halbjährlichen Abständen fortgesetzt werden soll.

Letztlich hat das Vorpreschen des Justizministeriums den Anstoß zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der Kritik am Studium gegeben. Gut sechs Wochen nach dem letzten Treffen hat die Ministerin nun über Instagram veröffentlicht, dass die HR Nord Hochschule bleibt.

Ein schöner Erfolg, über den wir uns gemeinsam mit allen Beteiligten freuen. Zugleich werden wir die Umsetzung der Maßnahmen beobachten.